Die Eingewöhnung

Grundlage für die Handhabung unseres Eingewöhnungskonzeptes sind Ergebnisse eines Forschungsprojektes der Freien Universität Berlin. Das wichtigste Ergebnis dieser Studie ist, dass die Art der Eingewöhnung, insbesondere in den ersten Lebensjahren, die allgemeine psychische und gesundheitliche Entwicklung der Kinder in den ersten Monaten einer Tagesbetreuung erheblich beeinflusst und die Struktur für spätere Bindungsbeziehungen festlegt. (vgl. http://www.infans.net/pdf/Eingewoehnung.pdf o.A.)

Es muss sich an neue Situationen, einen veränderten Tagesablauf und an die tägliche mehrstündige Trennung von den Eltern gewöhnen. Diese Veränderungen fordern dem Kind große Lern- und Anpassungsleistungen ab.

Kinder im Krippenalter sind überfordert, wenn sie diese Umstellungen ohne Unterstützung der Eltern bewältigen müssen. Die wesentliche Grundlage des Eingewöhnungsmodells ist daher die Beteiligung der Eltern an dem Prozess der Eingewöhnung ihres Kindes. Die Aufgabe der Eltern ist es dabei, ihrem Kind eine Art „schützendes Nest“ zu bieten, von dem aus es sich mit der neuen Umgebung vertraut machen und in das es sich zurückziehen kann, wenn es sich überfordert fühlt.

„Der Übergang aus einer Familie in die noch unbekannte Krippe bedeutet für das Kind eine große Herausforderung an seine Fähigkeit, sich an neue Umgebungen anzupassen und Beziehungen zu fremden Personen aufzubauen. Während der ersten Zeit in der Krippe ist das Kind mit unbekannten Räumen, fremden Erwachsenen und anderen Kindern konfrontiert.“

(Laewen, H. – J.; Andres, B.; Hédervári, È. 2003 S.16)


Bereits das Neugeborene entwickelt eine spezielle emotionale Beziehung zu seinen Eltern oder anderen dauerhaften Bezugspersonen. Diese Bindung bietet dem Säugling Schutz und Beruhigung bei objektiv vorhandener oder subjektiv erlebter Gefahr oder Bedrohung. Durch das Bindungsverhalten wie Lächeln, Weinen, Festklammern, Nachlaufen und Suchen der Bezugsperson soll eine feinfühlige Reaktion des Erwachsenen aktiviert werden. Wichtig ist, dass der Erwachsene auf die Bedürfnisse des Kindes eingeht und eine angemessene Reaktion zeigt.

Das Explorationsverhalten ist dem Bindungsverhalten komplementär zugeordnet, das heißt: wenn sich das Kind sicher fühlt, wird es sich seiner Umgebung zuwenden und sie erkunden und damit die Entwicklung der Autonomie und Selbstständigkeit forcieren.

Die Verlässlichkeit und Sicherheit der ersten Bezugspersonen legt die Grundlage für die weitere Entwicklung der Persönlichkeit im Kindes-, Jugendlichen- und Erwachsenenalter.

Die ersten Tage der Eingewöhnung finden vormittags in der Zeit von 10.00 Uhr bis 11.00 Uhr im Gruppenraum der jeweiligen Gruppe statt. In dieser Zeit wird die zuständige Erzieherin, im Beisein der Mutter/ des Vaters, die ersten Kontakte zu dem Kind herstellen

Je nach Bereitschaft des Kindes findet die erste Trennung individuell am Kind orientiert statt, diese kann ca. 10 bis 20 Minuten dauern und wird vorzeitig beendet, wenn das Kind starkes Bindungsverhalten (Weinen, zur Tür krabbeln/laufen, Erstarrung in den Bewegungen) zeigt. Die Reaktion des Kindes auf die Trennung bestimmt den weiteren Verlauf der Eingewöhnung, der täglich mit den Eltern für den Folgetag abgesprochen wird.

Bei einem gelungenen Trennungsversuch werden die Aufenthaltszeiten des Kindes ohne die Eltern langsam aufgebaut, bis wir die gewünschten Betreuungszeiten erreicht haben. Es muss sich an neue Situationen, einen veränderten Tagesablauf und an die tägliche mehrstündige Trennung von den Eltern gewöhnen. Diese Veränderungen fordern dem Kind große Lern- und Anpassungsleistungen ab.

Für die Eingewöhnung sind ungefähr 4-6 Wochen vorgesehen, in denen die Eltern in Rufbereitschaft bleiben und so im Bedarfsfall für ihr Kind als sichere Basis zur Verfügung stehen.

Alle Kinder bauen in den ersten Monaten ihres Lebens so genannte „Bindungsbeziehungen“ zu Mutter und Vater auf. Besonders deutlich wird dies in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres, wenn sie beginnen, ihr Verhalten auf die Eltern hin zu orientieren, insbesondere, wenn sie irritiert oder gestresst sind – die so genannte „Fremdelphase“.

Ein Kind im Alter von ca. 4 Monaten wird sich in der Regel noch von einem Erwachsenen beruhigen lassen, der sanft und achtsam mit ihm umgeht. Bei einem schon fremdelnden Kind wird dies deutlich schwieriger. In den meisten Fällen können dann nur Mutter, Vater oder Personen, zu denen solche „Bindungsbeziehungen“ bestehen, das Kind beruhigen. Sie sind zu „Bindungspersonen“ für das Kind geworden und dienen ihm als eine Art „mobiles Nest“, als „sichere Basis“ bei der Erkundung seiner Umwelt. Insbesondere in fremder Umgebung ist die Anwesenheit einer „Bindungsperson“ für das Kind unverzichtbar.

So soll nun bei der Eingewöhnung – mit Hilfe der Eltern – das Kind langsam zu einer ausgewählten Erzieherin eine Bindung aufbauen. Dies ist notwendig damit, dass Kind die Krippe als „Ersatznest“ akzeptiert und die Sicherheit erlangen kann, die es braucht.

Erst dann kann es sich seiner Umwelt zuwenden und diese erforschen. So kann das Kind die Entwicklungsaufgaben bzw. die Reifungsprozesse besser bewältigen, die in den ersten 3 Jahren anstehen.